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Franziskanerkloster und Ratsbücherei

Franziskanerkloster und Ratsbücherei

  • Sehenswürdigkeiten
Franziskanerkloster und Ratsbücherei
Am Marienplatz 3
21335 Lüneburg
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Besonders reizvoll ist der Innenhof hinter den Häusern der Reitenden Diener. Wenn Sie die Anlage betreten, befinden Sie sich auf dem Areal des ehemaligen Franziskanerklosters. Die Bettelmönche kümmerten sich bis zur Reformation 1530 um das Wohl der Kranken und Armen. Diese Fachwerk-Reihenhaus-Anlage stellte man einst den Witwen der lutherischen Prediger zur Verfügung, die durch regelmäßige Zahlungen für das Auskommen ihrer Angetrauten sorgen mussten. Der notorisch klamme Landesfürst Ernst der Bekenner hatte ein eigenes Interesse, die katholischen Klöster aufzulösen. So trieb er selbst die Reformation voran, um an die Güter der Klöster zu gelangen. Nachdem die frommen Brüder die Stadt verlassen hatten, wurden die Lüneburger Klosterbibliotheken und die Rechtsbibliothek des Rates im Jahre 1555 vereinigt.

In den ehemaligen Hauptgebäuden befindet sich seit Verlassen der Klosterbrüder die Ratsbücherei der Stadt Lüneburg. Sie ist über 600 Jahre alt und zählt damit heute zu den ältesten Stadtbibliotheken Deutschlands. Ursprünglich gegründet als „des rades liberie“ und im Rathaus der Stadt stehend, wurde sie nach Aufhebung des Lüneburger Franziskanerklosters 1555 mit der Bibliothek der Franziskaner zusammengefasst und in dem ehemaligen Klostergebäude untergebracht.

Gut erhalten ist im Erdgeschoss eine gotische Halle mit Kreuzgewölben. In diesem Raum befindet sich die belletristische Abteilung der Bibliothek. Ein Rest des Kreuzganges ist ebenfalls erhalten, in den man durch eine Panzerglastür hineinsehen kann. Hier befinden sich die Handschriften und Inkunabeln der Bibliothek. In den ehemaligen Pfarrwitwenwohnungen im Klosterhof befindet sich heute die Kinder- und Jugendbücherei der Stadt Lüneburg. Teile dieses Gebäudeensembles stammen ebenfalls aus der Klosterzeit.

Jahrhundertelang war die Bibliothek Sammelpunkt für weitere Bibliotheken der Stadt und konnte ihre Bestände auch durch Schenkungen Lüneburger Patrizier, Ärzte und Apotheker vermehren. Heute besitzt die Ratsbücherei Lüneburg 796 Handschriften, 1131 Inkunabeln und rund 20.000 Drucke des 16.-18. Jahrhunderts. Aus dem 19. Jahrhundert stammen ca. 15.000 Bände. Zu den bedeutendsten Handschriften zählen die Lüneburger Rechtshandschriften: Sachsenspiegel (um 1410 bzw. 1445) und Schwabenspiegel (um 1410). Heute hat die Bibliothek zusammen mit der Jugendbücherei „Auf dem Klosterhof“ und der Bibliothek im Schulzentrum Kaltenmoor rund 190.000 Medien.